Schulgesetz verhindert die Wahlfreiheit der Eltern und zielt auf Abschaffung der Gymnasien durch kommunale Schulträger

Meldung vom 09.11.14

Qualitätsverlust bei der Bildung unserer Schüler und Schülerinnen muss verhindert werden

Scharf kritisiert der Verband der Elternräte den Gesetzentwurf zur Schulgesetzänderung mit Gesamtschulen als ersetzende Schulform. Damit wird das Recht der Eltern, ein Gymnasium vor Ort wählen zu dürfen, außer Kraft gesetzt! Beteuerungen der Kultusministerin Heiligenstadt, wie zuletzt auf der Jahrestagung des Verbandes formuliert, Gymnasien hätten in Niedersachsen eine gute Zukunft, zeigen sich nunmehr als leeres Versprechen – in der Realität wird einen weitere Benachteiligung der Gymnasien und fortlaufende Beschneidung der Elternrechte umgesetzt. Statt mit der Einführung von G9 endlich Ruhe an die Schulen zu bringen, eröffnet die Ministerin einen neuen Konflikt, der kurzfristig zur Schließung von Gymnasien, insbesondere im ländlichen Raum führen wird.

Chancengleichheit unter den Schulformen besteht nur unter gleichen Bedingungen. Diese sind jedoch für die Gymnasien in Niedersachsen mit dem Gesetzentwurf nicht mehr gegeben. Die Schulträger im Land können und werden nach eigener Entscheidung jederzeit und willkürlich Gymnasien zugunsten von Gesamtschulen schließen, weil die im Entwurf vorgeschriebenen

„zumutbare Bedingungen“ für den Besuch von Gymnasien viel zu weit gefasst sind. Schließt ein Schulträger Gymnasien, reduziert sich jetzt der Anspruch von Schülerinnen und Schüler auf den Besuch eines Gymnasiums sogar auf entfernte Schulbezirke von Schulträgern, die gar nicht für den eigenen Wohnsitz zuständig sind. In der Praxis bedeutet das im Vergleich zu Gesamtschulen die Abkehr von einem wohnortnahen, gymnasialen Angebot und deutlich erhöhte Fahrzeiten zum Gymnasium, die insbesondere Fünftklässlern nicht zugemutet werden können. Dass heute bereits bedenkenlos und willkürlich auf kommunaler Ebene an der Schraube erhöhter Fahrzeiten gedreht wird, erlebt zurzeit die Region Hannover mit der Verlagerung von Berufsbildenden Schulen.

Zu einer realen Chancengleichheit gehört, dass jede Schülerin und jeder Schüler die für sie bzw. ihn passende Schule besuchen kann. Nur durch ein wohnortnahes und breites Angebot an unterschiedlichen Schulformen kann Bildungsgerechtigkeit gelingen. Es ist jedoch zu befürchten, dass zukünftig und ohne landesweit einheitliche Qualitätsstandards vorrangig durch Mandatsträger auf kommunaler Ebene einseitig Fakten geschaffen werden, bevor die Öffentlichkeit eingebunden wird, wie beispielhaft vor kurzem in Braunschweig zu beobachten war. Dort konnte buchstäblich in letzter Sekunde die Umwandlung eines Gymnasiums zur Gesamtschule verhindert werden.

Für ein gut funktionierendes Schulsystem ist es notwendig, neben dem Gymnasium auch Haupt-/ Realschule oder Oberschule anzubieten, damit für jede Schülerin bez. Schüler das passende Angebot bereit steht. Vor dem Nebeneinandersetzen von Gesamtschulen und Gymnasien kann

nur gewarnt werden, da dies nicht realisiert werden kann: entweder wird dann die Gesamtschule zu einer Oberschule oder das Gymnasium zu einer weiteren Gesamtschule.

Für einen Bildungserfolg sind Notengebung und auch die Schullaufbahnempfehlung wichtige Bausteine und bieten eine unerlässliche Orientierung für Eltern, die es beizubehalten gilt. Ebenso muss es für die Möglichkeit des Sitzenbleibens beibehalten werden, um unseren Schülern neue Chancen für nachhaltigen Bildungserfolg zu garantieren.

Für das hohe Bildungsniveau, das die Gymnasien im Land zweifellos bieten, ist die spezielle Ausbildung der Gymnasiallehrer wichtige Voraussetzung. Daher warnt der Verband davor, diese qualitativ hochwertige Ausbildung zugunsten einer sogenannten Stufenlehrerausbildung abzuschaffen.

Wichtigstes Anliegen ist dem Verband, dass die Bildungsqualität an Gymnasien auch zukünftig erhalten bleibt und das Abitur die uneingeschränkte Studierfähigkeit garantiert. Eine Reduktion der Anforderungen, wie von der Landesregierung geplant, kann nicht hingenommen werden. In allen Schulformen muss der Leistungsgedanke als ein zentraler Wert bleiben. Dieses ist für den weiteren Erfolg unserer Schülerinnen und Schüler, auch im bundesdeutschen Vergleich, unerlässlich. Bei einer konsequenten Umsetzung des Gesetzesentwurfs steht zu befürchten, dass sich die Bildung deutlich in Richtung der PISA Schlusslichter Bremen oder Berlin verschlechtert.

Enttäuscht zeigt sich der Verband, dass es noch immer keine Einigung bezüglich der Arbeitszeit der Lehrer an Gymnasien gibt, was zu deutlichen Störungen des Schulfriedens an vielen Gymnasien im Land führt. Als Konsequenz finden viele der pädagogisch wichtigen Klassen- oder Kursfahrten weiterhin nicht statt. Nicht verständlich ist dabei, dass es keine neutrale Erhebung

der Arbeitszeiten der Lehrkräfte gibt, gleichzeitig jedoch zu Beginn des neuen Schuljahres

2014/14 weniger Lehrkräfte an den Gymnasien eingestellt worden sind.

Der Verband begrüßt die Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren auch an den Gymnasien, für die sich der Verband im letzten Schuljahr nachhaltig eingesetzt hat. Kritisch muss jedoch angemerkt werden, dass eine Konkretisierung der Umsetzung noch aussteht. Hier ist Eile geboten, damit den Schulen ausreichend Zeit zur Planung der Umsetzung bleibt. Der Verband fordert die Landesregierung auf, die auf der Jahrestagung formulierten Beteuerungen der Ministerin Heiligenstadt und die des Ministerpräsidenten Weil „ Die Gymnasien haben von uns nichts zu befürchten“ endlich mit Inhalt zu füllen. Weiteren Lippenbekenntnissen werden unsere Eltern nicht tatenlos zusehen. An den Schulen ist bereits jetzt eine aufgebrachte Stimmungslage spürbar, die sich durch den Schulgesetzentwurf weiter zuspitzen wird.

Dr. Oliver Gossel, Vorsitzender

Petra Wiedenroth, Geschäftsführerin